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„Made by a Mac“

… stand früher mal auf mancher (wenn auch seltener) Home-Page gleichsam als Qualitätssiegel (übrigens: auch diese ist selbstverständlich „made by a Mac“, nebst dem ebenso „adorable“ CMS WordPress). Wo sich das Netz heute – glücklicherweise – nicht mehr um Betriebssysteme und ihre prozessorale Provenienz schert, also umfassend kompatibel geworden ist, freut es dennoch, wenn passionierte Macisten wie d&m zuweilen nochmal darauf hinweisen können, dass über einen Apple einfach nichts geht. d&m’s Jörg/ögyr apfel-double-quad-core-entkernte (Mac Pro mit zwei Intel Xeon-Quad-Core-Prozessoren) sich daher in angehängter KN-Besprechung eines Konzerts im Kieler Prinz Willy, als dort auf der Bühne das geliebte Symbol auf gleich drei Laptops vertraut glimmte … (Fotos made by a iPhone) …

Wabern und Wehen

Das Duo Arms & Sleepers schaltete seine träumerischen Electronica im Prinz Willy.

Von Jörg Meyer

Kiel. Drei glimmende Äpfel auf der Bühne, Zeichen dafür, dass Max Lewis und Mirza Ramic nicht nur den richtigen Sound, sondern dafür auch das richtige Betriebssystem für elektronische Musik haben, die ebenso avantgardistisch wie poppig klingt.

Es wabert und weht, wenn die beiden sich an Keyboards, Mixern, akustischer Harmonika, elektrischer Gitarre, meist gestrichen mit einem Cello-Bogen, und Mac-Laptop-Tastaturen zu schaffen machen. Es wabert und weht dazu hinter ihnen als Videokunst aus dem Projektor, der vorher vermeldet: „Cannot play this disc“. Bei so viel Technik muss man mit Ausfall rechnen, der flugs überspielt wird mit manchem Einfall – und einem endlichen Einsehen der DVD-Elektronik, dass Bilder Bostoner Großstadtstraßen sich auch ins Prinz Willy projizieren lassen.

Wie Uterus-Landschaften von Blasenkammern, die man auch als Sternenhimmel interpretieren könnte. Oder einfach ein irre geschnittenes Cutup aus sonstwas, das so schnell zuckt, wie Arms & Sleepers schlaflos zu den Tasten- und Saiten-Waffen greifen. Die kommen so milde daher wie Elektronik sonst nur im Triphop, oder seicht wie im Pop. In all dem Demast, der hier großflächig ausgebreitet wird, bleibt es seidig.

Wie gesagt: es wabert, es weht ohne Stürme. Letztere erahnt man allenfalls in der enormen Kompression, in der die Soundscapes zuweilen sich zu geradezu Hymnischem auftürmen. Arms & Sleepers scheuen im Gebirge die Mühen der Ebenen nicht. In den Intros werden sie transparent, ansonsten wird der Fettgehalt der E-Sounds stetig erhöht. Das dauert in stoischem Gleichmaß jeweils ziemlich genau fünf Minuten. Als wäre dies die Periode, die ein Herz braucht, sich auf Sehnsucht einzugrooven. Oder ein Kopf, um sich aus analytischem Zuhören in ein solches des Bauchgefühls zu begeben.

Am Ende wippen alle mit, geschlossenen Auges, eröffneter Ohren. Max und Mirza machen’s auf der Bühne vor: Biegsame Flitzebogen in einem selbst entfachten Wind sich wiegend. Das ist auf eine unglaublich schöne Weise langweilig. Und auf volltönende Weise herrlich eintönig. Arms & Sleepers senden uns die Schlaflieder, die Ungeheuer gebären. Nicht von Ungefähr stolpert dazu auf der Video-Leinwand Belmondo in der Schlussszene von „Außer Atem“ als getroffenes Wild seinem Fall zu. Filmzitate, die wie Klang(t)räume aufgespannt sind zwischen den beiden glimmenden Apfel-Laptops der Musiker. Nicht weit von jenem Stamm fällt ihre Musik.

Und keimt unermüdlich. Ein Track entsteht folgerichtig aus dem anderen. Das ist keine Nummernoper, sondern Gesamtkunstwerk. Ein tönendes längeres Gedankenspiel, ein Film aus Musik, ziemlich genau 60 Minuten dauernd. Dennoch wird auf nachhaltige Publikumsaufforderung hin ein Bonus-Track gegeben. Wie auf einer DVD die „Extras“. Wären wir nicht schon beseligt, würden wir auch die noch mitnehmen in den waber-wehenden Traum vom Sound.

Sapere aude!

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