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Im Geiste des Gesangs (und des à gogo schreibenden Stifts)

Hier mehr vom Livescribe Smartpen und d&m’s ögyrs Benutzung desselben.

Wirklich erstaunlich, diese neudeutsch so genannte „Connectivity“ (Angebändeltheit), die ermöglicht, dass der geneigte Leser sich nun der – vielleicht nicht unbedingt notwendigen (sogar überflüssigen) – Nähe unterziehen kann, zu beobachten, wie ögyr bei seiner journalistischen Recherche arbeitet (auf die betreffende Notiz klickend, hört man, was ögyr hörte, dazu assoziierte und schrieb – leicht zeitversetzt durch das Nachgegrübeltsein des Geschriebenen zum Gehörten). Ein unverstellter Live-Einblick in die Werkstatt der zu(ge)hörenden Gedanken eines Journalisten. Der Livescribe Smartpen macht’s möglich.

Heute, am Pfingstsonntag, begab sich ögyr für KN in die Brigitta-Thomas-Kirche in Kiel-Mettenhof (welches – aside – dortige Bewohner gerne ironisch als „Manhattan-Hof“ apostrophieren), um einem pfingstlichen Konzert von Jackson C. Crawford (Saxofon) und Reinfried Barnett (Orgel) zu lauschen – wie auch sein Smartpen. Unter diesem Link kann man numehr nachverfolgen, was ögyr welcher (dazu klingender) Musik auf seinem Notizblock nachschrieb. Hier „embedded“ 😉 der dazugehörige „Pencast“:

Wie sehr das Vorstufe ist, wie wenig – und doch manches – der schlussendliche Artikel damit zu tun hat, sei hier vermeldet und protokolliert:

Im Geiste des Gesangs

Kiel. Saxofon und Orgel, das der menschlichen Stimme wohl ähnlichste Blasinstrument und die Königin der Instrumente, sind ein einträchtiges Klangpaar. Als solches waren sie am Pfingstsonntag in der Brigitta-Thomas-Kirche in Kiel-Mettenhof zu hören. Jackson C. Crawford (Saxofon) und Reinfried Barnett (Orgel) haben zwar keine der seltenen Originalkompositionen für dieses Instrumentenpaar im Programm, dafür aber Transkriptionen, die sich in dieser Klangkombination sinnlich singend entfalten.

Alessandro Marcellos „Konzert d-moll“ etwa, ein Kleinod spät-barocken Konzertierens zwischen Solo-Instrument und gemütlich schreitendem basso continuo, den die Orgel dezent übernimmt. Bläst Crawford hier das zuweilen etwas zu brillante Sopran-Saxofon, wechselt er bei Schumanns „Abendlied“ zum Tenor, der die romantische Stimmung warm und seidig zur Geltung bringt. Ein Vorblick auf den impressiv zarten Gesang des Duos in Gabriel Faurés „Piece“, eine Vokalise, die im Instrumentalen den (heiligen) Geist des Menschenstimmlichen feiert.

Wo man beim pfingstlich ausgegossenen Geist nicht zuletzt an den menschlichen Atem denkt, sind Crawford und Barnett auch in den Solo-Stücken letzterem verpflichtet. Mendelssohn-Bartholdys „Sonata 3 A-Dur“ über den Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ festtagt an der Orgel als Präludium und Fuge ebenso wie Charles-Marie Widors von Barnett auf Hochglanz polierte „Toccata F-Dur“. Mit seiner Nachdichtung von Mozarts Thema und Variationen auf „Ah, vous dirai-je maman“ steht dem Crawford am Solo-Sax nicht nach – ein Kabinettstückchen des Virtuosen wie sanglich Verbundenen.

Derlei gemeinsame wie im Solo sich zeigende „Sanges“-Kunst präsentiert das Duo noch einmal in fünf der „Dix figures à danser“ von Pierre Max Dubois. Eine moderne Umsetzung des Suiten-Konzepts der Renaissance in tänzerischem, das heißt singendem Gestus. Nicht nur dafür sind am Ende die Ovationen stehende. Denn am Tag des Heiligen Geistes ist dies ein Konzert im Geiste des Gesangs.

Sapere aude!

One Response to Im Geiste des Gesangs (und des à gogo schreibenden Stifts)

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