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The Art of Bespreching (fünf)

Kapitel fünf, worin ein Requiem gesungen wird/werden muss. Dem Besprecher wird DURCH DEN TOD des Besprochenen eine besonders schwierige Aufgabe (und auch Verantwortung) zuteil. Dergestalt, dass eben diese Besprechung eines „Memorial-Konzerts“ über eine lange Zeit wohl die letzte presse-öffentliche Vermeldung über den Verstorbenen sein wird. Hier ging es um Heribert Kroll, Kieler Klarinettist und Saxofonist, der nicht nur die Kieler Jazzszene über drei Jahrzehnte begleitete und prägte, auch in ögyrs eineinhalbjahrzehntigem Besprechungskanon für die KN immer wieder ex- oder implizit vorkam. Den Nachruf hat bereits der ebenso geschätzte wie feinfühlig kundige KN-Kollege Manuel Weber drei Tage nach dem Tode Krolls in „unserer Zeitung“ vermeldet, ob der Kürze der Reaktionszeit allerdings notwendigerweise eher biografisch faktisch orientiert. Jetzt aber, eineinhalb Monate später, muss es zumindest ansatzweise um eine künstlerische Einordnung des Werks des Verstorbenen gehen. Schwieriges Unterfangen, das man als Besprecher am besten so löst, dass man die VORLÄUFIGKEIT dessen durchscheinen lässt. Hier wählte ich die Metapher der SPUR, die vom Künstler gelegt und von den Memorial-Bands wie mir nun aufgenommen wird …

Gewinn in einem schmerzlichen Verlust

Memorial-Konzert für den verstorbenen Kieler Jazz-Musiker Heribert Kroll in der Ricarda-Huch-Schule.

Von Jörg Meyer

Kiel. In allen sechs Combos von der Bigband bis zum Trio, die am Dienstag in der übervoll besetzten Aula der Ricarda-Huch-Schule (RHS) zum Memorial-Konzert aufspielten, fehlte er schmerzlich: Heribert Kroll, der am 21. September unerwartet verstorbene Klarinettist und Saxofonist, der über drei Jahrzehnte (nicht nur) die Kieler Jazzszene prägte – wie man hier noch einmal hören konnte.

Der Verlust durch seinen Tod ist allgegenwärtig spürbar, und doch zeigt sich ein Gewinn. Nämlich dass alle beteiligten, von ihm geprägten Combos weiterspielen. Heribert Kroll hat eine Saat gelegt, die auch ohne ihn aufblühen kann. Das hört man schon im Opener, den sein jüngstes Projekt bestreitet. Die Junior Bigband der RHS, deren Leitung Kroll erst im August übernahm, kurvt zwar noch etwas schleppend durch den Swing, aber bigband-klanglich schon ziemlich gewieft aufeinander abgestimmt. Auch wenn Kroll dem Swing besonders verbunden war, „für ihn gab es keine stilistischen Barrieren“, so Arvid Maltzahn, Moderator und Bandkollege bei den von Kroll und Jens Köhler gegründeten Sultans Of Swing. So hätte sich Kroll wohl genau wie das ausgelassen mitklatschende Publikum über den frischen New-Orleans-Sound von Schleswig-Holsteins einziger Marching-Band, der Get Happy Brassband, gefreut. Zumal sie das Motto zu diesem Abend aus zwar traurigem, aber doch hoffnungsvollen Anlass ausgibt: „Keep On Smiling“.

Und swinging – mit den Sultans Of Swing. Sie haben die wohl bekannteste Weggefährtin Krolls ans Mikro eingeladen: Olivia Molina schaffte 2000 ihr Comeback als Jazzsängerin mit Kroll als Arrangeur und musikalischem Leiter. Wenn Molina, begleitet von den samtzarten Bläsern der Sultans und Vera von Reibnitz’ sensiblem Tastenwerk, „As Time Goes By“ anstimmt, ist das freilich wie ein kleines Requiem, und man darf die ein oder andere Träne im (Klarinetten-) Knopfloch haben.

Wie bei den Sultans hat auch in Krolls vor zwei Jahren ins Leben gerufenem Latin-Funk-Projekt Funcubello Jiri Halada den Klarinetten-Saxofon-Part spontan übernommen. Mit den jungen Jazzern Loredana Todor-Sapcu (p., keyb.), Dimitar Bonev (E-Bass) und Daniel Sapcu (dr.) sei er „schon nach ein paar Bieren einig gewesen“, kommentiert Halada die gern übernommene Nachfolge Krolls in diesem ungemein spritzig Latin und Funk verbindenden Quartett. Nicht minder funky agiert das ebenfalls von Krolls vielfältigen Interessen in fast allen Genres des Jazz inspirierte Trio harDholz. Und sogar das HK (Memorial) Quintett, das Kroll 1983 gründete und das sich noch einmal in der ursprünglichen Besetzung zusammengefunden hat, wirkt in seinem gediegenen Bebop wie aus einem Jungbrunnen entstiegen.

So hat uns der traurige und viel zu frühe Tod Krolls – wohl sehr in seinem Sinne – einen Abend bereitet, der nicht nur ganz nebenbei ein Porträt der Kieler Jazzszene in ihrer genre- und generationenübergreifenden Vielfalt entwirft. Als Gewinn bleibt auch das Vermächtnis eines Jazz-Musikers, der Spuren hinterlassen hat, die wie ganz frische weiter verfolgt werden und worin Heribert Kroll klingend weiterleben wird.

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Sapere aude!

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