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The Art of Bespreching (sieben)

Kapitel sieben, worin (sonst weniger angebrachte) Emphase bei der Besprechung insofern zu spüren ist, als der hier porträtierte Olli „Dittsche“ Dittrich seinerzeit etwa das machte, was auch die d&m-Redakteure ögyr und Ingo ihrerzeit „rumkasperten“. Weil nämlich das „Zuhandensein“ (wie es Heidegger einmal nannte) von „vorhandenen“ Produktionsmitteln wie eines alten (noch röhrenbetriebenen) 4-Spur-Tonbandgerätes offenbar gleichsam automatisch Potenzial für kreativen Unsinn freisetzt. Ohne uns (also die d&m’s und deren damalige Schulfreunde Eckhard und Axel) mit dem Dada-Dreamteam Dittrich/Boning vergleichen zu wollen, so waren wir doch damals, in den späten 70ern, auf einem ähnlichen Tripp (vergleiche hier: Clips aus der „Wurks-Kassette No. 3“), der wiederum jetzt, Jahrzehnte später, eine Besprechung möglich macht, die zumindest in Ansätzen die EMPHASE DER PRODUKTION mehr als nur besprechend/beurteilend nachzuempfinden weiß – und womöglich in den berühmten „zwischen den Zeilen“ auch mitteilt. Eine Ungestümheit, die sich bei uns damals noch nicht, bei Olli Dittrich freilich umso mehr zur Kunst formte. Und daher muss auch der letzte Satz so lauten, wie er lautet – und direkt in den Jubel einschießen, der aus der damaligen Beschäftigung mit dem „Medium“ herrührt.

Kreativität des Rumkasperns

Olli Dittrich berichtete im metro-Kino höchst amüsant aus seinem „wirklich wahren Leben“.

Von Jörg Meyer

Kiel. „Das war wildes Rumgekasper, aber alles war erlaubt“, schwärmt Olli Dittrich von den wilden Zeiten in den 90ern, als er zusammen mit seinem „gefiederten Freund“ Wigald Boning, beide damals noch recht unbekannt, bei Premiere die von dem Pay-TV-Sender ungeliebten Zeiten freier Ausstrahlung ganz beliebig mit Blödsinn füllen durfte. Noch bevor die beiden als „Die Doofen“ den Schlagersumpf aufmischten und Grimme-Preisträger Dittrich als „Dittsche“ „das wirklich wahre Leben“ und TV-Geschichte schrieb, wurde eine Form der Comedy geboren, die so gaga wie intelligentes Dada war und ist – und bei Dittrichs Lesung im ausverkauften metro-Kino Kultstatus nicht erst erringen muss.

Dittrich war schon als Jugendlicher das Paradeexemplar für die unbändig überbordende Kreativität eines „Spring-ins-Feld“. Davon erzählt er uns höchst amüsant im ersten „Set“ seiner Lesung aus „Das wirklich wahre Leben“, einem Buch, das aus Interviews mit der Journalistin Anne Ameri-Siemens entstand, das Dittrich mit absurden Anekdoten anreicherte und das schon von daher nicht einfach eine der „blöden Biografien“ ist, sondern Zeugnis jenes höheren Unsinns, den Dittrich wie kaum ein anderer zur Kunstform entwickelte. Seine Vorbilder sind dabei Loriot, der vergessene Satiriker Heino Jaeger, dessen Wiederbelebung Dittrich eine Herzensangelegenheit ist, und nicht zuletzt heimliche Humoristen wie Rudi Carrell, dessen Angebot „Will’su Brühe?“ aus „dem Getränkeautomaten eines Paten“ ein Geheimwitz ist, in den uns Dittrich parodistisch grandios einweiht und so zu komödiantischen Mitwissern macht.

Denn man lacht mit Dittrich über seine verschrobenen Einfälle umso mehr, wenn man erfährt, wie er auf all die kreativen Kaspereien kam. Die TV- und Sub-Kulturen der 70er Jahre muss man dafür kennen, die Dittrich uns komisch-selbstironisch nahebringt: Die TV-Serie „Raumpatrouille Orion“ etwa, deren aus heutiger Sicht etwas tutige Zukunftsvisionen er als Kind „im unterbelichteten Wandschrank, aber mit Lichtgeschwindigkeit“ nachspielte. Fernsehen „mit Cola und Haribo-Colorado oder TRiTOP Kirsch-Orange“, Tarzan, der Western-Serie „High Chaparral“ und dem ebenso schrägen wie geheimen Olli-Favoriten „Jugoslawia do badan“. Die „Jingler’s Jeans mit Schlag und Glöckchen“, mit der er einst jeden modischen Parka ausstach. All „so Kalauerzeug“ halt, das er daraus in den nie – jetzt aber – veröffentlichten Liedtexten zusammen mit Boning ad hoc und am Fließband produzierte.

Und natürlich Fußball, die Leidenschaft für den Hamburg-Langenhorn-heimatlichen HSV und dessen Ikone und Dittrichs Idol Uwe Seeler. An den träumt sich Dittrich in der nicht nur hoch komischen, sondern wie bei aller guten Komik auch rührenden Geschichte heran: Uwes Achillessehne ist durch, und nu’ muss statt seiner „der dürre Spargel“ ran. Die Flanke kommt von links, direkt aus dem Unsinn, Dittrich müsste schießen … Und Dittrich schießt! – Toor! Toor! Toor!

Weitere Lesung im metro-Kino am 19. Dezember, 20 Uhr (leider auch schon ausverkauft!)

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Sapere aude!

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