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Kleine WordPress-Bonbons, Teil 4: Webfonts benutzen

Im Frühjahr hatten wir uns ja schon einmal an dieser Stelle mit Webfonts beschäftigt. Nur kurz zur Wiederholung: Warum soll man sie benutzen? Hauptsächlich deshalb, damit Text Text bleibt, mit allen Vorteilen – wie an erster Stelle dem, daß man danach suchen kann. Es war ja – und ist es sehr oft immer noch – üblich, etwas ausgefallene Typographie in einem Bildbearbeitungsprogramm unseres Vertrauens zurechtzubasteln und sie dann als Bild, teilweise im Frameset (nach HTML 5 technisch veraltet), teilweise in einer Tabelle in die Seite so einzubauen, daß sie rutschfest und standsicher von jedem Browser verdaut wird.

Wie das geht, hatten wir schon damals in groben Zügen erklärt: Eine CSS-Datei muß auf dem Server liegen und die Schriften bestimmten Stilen zuweisen. Das sieht dann beispielsweise so aus, wenn man eine Schrift namens »Abilene« einbinden will:

@font-face {
font-family: 'Abilene';
src: url('abilene-webfont.eot');
src: url('abilene-webfont.eot?#iefix') format('embedded-opentype'),
url('abilene-webfont.woff') format('woff'),
url('abilene-webfont.ttf') format('truetype');
font-weight: normal;
font-style: normal;
}

Och nö, wieso ist das denn wieder so kompliziert, rufen jetzt alle, und sie haben recht, meinen wir, aber darauf kommen wir gleich noch.

Die erwähnte CSS-Datei muß mit den Fontdateien auf dem Webserver liegen, am besten im gleichen Ordner. Das ist analog zum heimischen Rechner, wo ja auch Fontdateien an definierter Stelle liegen, damit das Schreibprogramm sie sehen kann. Damit der Browser erkennt, wo die CSS-Datei mit den Stildefinitionen und Zeichensatzzuweisungen liegt, braucht es in jeder HTML-Datei einen Verweis auf die CSS-Datei. Der steht irgendwo bei den anderen CSS-Anweisungen und sieht zum Beispiel so aus:

<link rel="stylesheet" href="ordner/cssdatei.css" type="text/css" charset="utf-8" />

In dieser HTML-Seite ist eine Reihe von Schriften beispielhaft aufgeführt. Das Laden kann etwas länger dauern, denn zur Darstellung muß der Browser nicht nur zuerst die HTML-Datei herunterladen und interpretieren, sondern sich danach auch noch alle benötigten Zeichensätze herunterladen, auslesen und auf die HTML-Datei anwenden. Diese Verzögerung ist aus unserer Sicht auch der Hauptnachteil der Webfont-Verwendung.

Warum nun sehen die Angaben in der CSS-Stildefinition so kompliziert aus?

Das liegt vor allem daran, daß die Browser nach verschiedenen Methoden vorgehen, um Webfonts darzustellen. Außerdem gibt es drei verschiedene Fontformate (.eot, .woff und .ttf), von denen keines von allen Browsern interpretiert werden kann. Man muß also für jede Schrift die drei verschiedenen Dateiformate vorhalten, wenn man will, daß alle gebräuchlichen Browser ein hinreichend ähnliches Ergebnis hervorbringen. TTF-Dateien, so viel sei noch angemerkt, sind zwar Truetype-Fonts, aber nicht mit den aus der Windowswelt bekannten Schriften zu verwechseln. Die hier in Rede stehenden lassen sich nicht auf dem Arbeitsplatzrechner einsetzen.

Das beste daran ist: Alles funktioniert auch in WordPress! Im Eingabefeld dieses Textes haben wir ganz am Anfang den entsprechenden Link zur CSS-Datei eingefügt. Wenn wir nun hier einen der Stile aufrufen, dann ergibt sich zum Beispiel so etwas hier:

Noch ein Wort zu den Nutzungsrechten:

Der Browser muß, damit er Schriften darstellen kann, diese auf dem heimischen Rechner, wie gesagt, auch finden. Meistens handelt es sich ja um Allerweltsschriften wie Arial, Helvetica, Garamond usw., die auf nahezu jedem Rechner des Universums installiert sind. Ausgefallene Schriften muß er sich erst einmal besorgen. Würde man nun die normalen Rechnerschriften ins Netz stellen, käme dies einer krassen Verletzung der Nutzungsrechte gleich, die genau das in aller Regel verbieten. Die Schriften- und Browserhersteller haben deshalb eigens für den Gebrauch im Netz die Webfonts entwickelt, deren Einsatz direkt auf dem Rechner nicht möglich ist. [Wir warten allerdings auf den ersten Hacker, der genau das möglich machen wird, wetten?]

Und warum (quengel!, pienz!) dann drei verschiedene?

Na, wie üblich: Weil man sich wieder einmal nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen konnte.

Nachtrag:

Wer keine eigenen Webfonts hat, kann sich – sofern er mit WordPress arbeitet – auch des Plugins „Font“ bedienen, das viele kostenlose Schriften zugänglich macht. Die sind allerdings auf dem Server des Plugin-Autors, was bedeutet, daß es keinen direkten Zugriff gibt und keine Garantie, daß das Angebot unverändert bestehen bleibt.

Sapere aude!

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The Art of Bespreching (dreizehn)

Das dreizehnte Kapitel unseres kleinen Kurses über die Kunst des Besprechens befasst sich wiederum mit Neuer Musik, jener, die nach wie vor etwas für Spezialisten ist – zumal für einen bei den „Kieler Nachrichten“ mit den Jahren nunmehr als solcher für solche geltenden Schreiber (siehe auch hier).

Spezialistentum nämlicher Art könnte sich z.B. in DER ZEIT vermutlich besser entfalten als hier in der Lokalausgabe „Eckernförder Nachrichten“ der „Kieler Nachrichten“, aber gerade das ist die Herausforderung. Hier – noch mehr als bei Artikeln für die KN-Kulturredaktion, die durchaus von sich behaupten kann, dem Feuilleton zumindest nahe zu kommen –, gilt es, „den Ball flach zu halten“. Sprich, an den womöglich in dieser Sache (Neue Musik) nicht so gebildeten, gleichwohl interessierten Leser (Interesse zumindest muss man beim Leser voraussetzen, sonst achtet man ihn zu gering und kann daher einpacken) immer zu denken. Das bezieht sich weniger auf das Vermeiden bildungshuberischer Fremdwörter als darauf, zu schauen, wie man das selbst als ihm Fremder, also Aufgeschlossener, aber damit Kämpfender, wahrgenommen hat, was hier zu Gehör und somit zu Bericht kam. Welche Bilder stellen sich ein, wenn man zuhört?

Zu verhehlen ist ja nicht, dass gerade der – wenn nicht selbsternannte, so doch als der geltende – „Spezi“ Gefahr läuft, Langeweile zu empfinden. Vorderhand scheint es immer wieder, man kenne das alles schon „irgendwie“. Umso besser also, wenn man sich beim Schreiben der Herausforderung gegenüber sieht, nicht nur das komplexe Thema halbwegs lesbar zu vermitteln, sondern auch die eigene Langeweile (an dem wie so vielem, wenn nicht dem Leben an sich …) zu überwinden.

Die Form freilich setzt einem da Grenzen. Ich denke öfter, dass es einfacher wäre, ich würde auf solche Klangkunst besser, weil weniger treffend, also den Kern erfassend, mit Wortkunst reagieren als mit einem diskursiv berichtenden Text, würde (nach-) dichten besser als ich es in zeitungskompatible Zeilen kassibern kann (in denen die Kassiber eben kaum jemand erkennt). Gedichte als Besprechungen sind allerdings derzeit im Zeitungs-Business nicht nur nicht erwünscht, sondern auch noch nie gewagt worden. Was daran liegt, dass der „normale“ (und das ist meiner!) Leser nicht poetisch denkt und den Modus der Poesie als Erkenntnis- und Beschreibungsform auch (noch?) nicht für sich entdeckt hat. Wo wir, wenn wir gute, innovative Journalisten sein wollen, solche mögliche und zudem wohl „zutreffendere“ Form noch nicht bei den Redaktionen loswerden, gilt es, Notlösungen, „Dazwischens“, in den Betrieb wie Viren einzuschleusen. Hierfür ein kleines Beispiel, das auch darin ein Beispiel ist, indem es an solchem Anspruch scheitert – und erst so einen halbwegs brauchbaren Beitrag für „DIE“ Zeitung liefert.

(Bis wir, die Kulturjournaille, dichten dürfen über Dichtungen wie die der Neuen Musik, müssen wir beharrlich – und in kleinen Schritten – unseren Lesern etwas anbieten, was ihren Horizont so erweitert wie das, was wir beschreiben, uns erweiterte. Nie darf man dem Leser nach dem Mund schreiben, aber sein Ohr soll man kitzeln – genauso wie das einen selbst, über das man schreibt. Und vermitteln, dass das Scheitern des Verstehens die Neugier weckt, nicht die Gleichgültigkeit …)

— snip! —

Koordinaten im Klangraum

Das Ensemble Sinkro zu Gast bei der Neuen Musik Eckernförde

Von Jörg Meyer

Eckernförde. Auch das fünfte und letzte Konzert der diesjährigen Reihe Neue Musik Eckernförde stand in der Nicolai-Kirche unter dem Motto „Spaces“. Das hiesige ensemble reflexion K hatte sich dazu Gäste aus Spanien eingeladen. Mit dem Ensemble Sinkro war Komponist (und Fagottist) Jorge García del Valle Méndez angereist, der das Thema „… so lose im Raume“ schon im Titel seines Stückes aufnimmt: „Far away from anywhere“ (weit entfernt von irgendwo) meine damit weniger einen Ort als einen Zustand, so erläuterte er. In einer „einsamen Entscheidung“ müsse der Komponist in einem noch nicht vorhandenen Raum gleichsam ein Koordinatennetz aufspannen – hier aus den Obertönen eines buddhistischen Gongs, welche Flöte und Klavier aufgefächert „re-synthetisieren“.

Auch Wellen verleihen dem Raum (und der Zeit) Koordinaten wie in Luigi Nonos „sofferte onde serene“. Das live gespielte Klavier (Alfonso Gómez) ist darin im Dialog mit seinem elektronischen, teilweise verfremdeten und in einem anderen Raum aufgenommenen Echo. Der Raum bildet sich erst, indem sich in ihm etwas ereignet, so heißt Ignacio Monterrubios Stück für Flöte (Roberto Casado) und Live-Elektronik (Koldo Sagastume) auch treffend „ex-nihilo“. Aus dem Nichts einen Zustand und damit erst den Raum zu schaffen, hatte ja schon del Valle Méndez umgetrieben, Monterrubio spitzt dies ebenso zu wie im zweiten Teil des Doppelkonzerts der Ensembles Sinkro und reflexion K Gerald Eckert mit „Nen VII“. Flöte (Beatrix Wagner), Cello und Elektronik (Eckert) legen in dem nach dem japanischen Wort für einen „zeitlosen Moment“ benannten Stück den Raum fest, indem sie die Grenzen zum Ortlosen abtasten, zwischen Nichts und Etwas, An- und Ausklingen.

Eine andere Möglichkeit, das zunächst Unbestimmte von Raum und Zeit mit Musik zu strukturieren, ist neben dem Echo und dem Balancieren auf dem Grat von und zur Stille der Pulsschlag des Taktes. Die schweizer Komponistin Katharina Rosenberger, deren zweite Fassung des dreisätzigen „éventer I – miroir – éventer II“ das ensemble reflexion K uraufführte, lässt einen pochenden Akkord in einer Schleife durch das ganze Stück laufen. Eine Art koordinierender Uhrschlag, aber auch Wegmarke, die den Raum absteckt. In der Wüste des Koordinatenlosen setzt solche auch der einsame Fagott-Rufer im „Calling“ des Japaners Dai Fujikura. Das Fagott klingt hier stets in rauen Multifonen, die dem Klangraum so etwas wie „Körnung“ und somit Textur verleihen. Auch dies eine Komposition, die wie das gesamte Doppelkonzert die einjährige Beschäftigung der Konzertreihe mit dem Thema „Spaces“ intuitiv auf den (Koordinaten-) Punkt bringt.

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