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The Art of Bespreching (dreizehn)

Das dreizehnte Kapitel unseres kleinen Kurses über die Kunst des Besprechens befasst sich wiederum mit Neuer Musik, jener, die nach wie vor etwas für Spezialisten ist – zumal für einen bei den „Kieler Nachrichten“ mit den Jahren nunmehr als solcher für solche geltenden Schreiber (siehe auch hier).

Spezialistentum nämlicher Art könnte sich z.B. in DER ZEIT vermutlich besser entfalten als hier in der Lokalausgabe „Eckernförder Nachrichten“ der „Kieler Nachrichten“, aber gerade das ist die Herausforderung. Hier – noch mehr als bei Artikeln für die KN-Kulturredaktion, die durchaus von sich behaupten kann, dem Feuilleton zumindest nahe zu kommen –, gilt es, „den Ball flach zu halten“. Sprich, an den womöglich in dieser Sache (Neue Musik) nicht so gebildeten, gleichwohl interessierten Leser (Interesse zumindest muss man beim Leser voraussetzen, sonst achtet man ihn zu gering und kann daher einpacken) immer zu denken. Das bezieht sich weniger auf das Vermeiden bildungshuberischer Fremdwörter als darauf, zu schauen, wie man das selbst als ihm Fremder, also Aufgeschlossener, aber damit Kämpfender, wahrgenommen hat, was hier zu Gehör und somit zu Bericht kam. Welche Bilder stellen sich ein, wenn man zuhört?

Zu verhehlen ist ja nicht, dass gerade der – wenn nicht selbsternannte, so doch als der geltende – „Spezi“ Gefahr läuft, Langeweile zu empfinden. Vorderhand scheint es immer wieder, man kenne das alles schon „irgendwie“. Umso besser also, wenn man sich beim Schreiben der Herausforderung gegenüber sieht, nicht nur das komplexe Thema halbwegs lesbar zu vermitteln, sondern auch die eigene Langeweile (an dem wie so vielem, wenn nicht dem Leben an sich …) zu überwinden.

Die Form freilich setzt einem da Grenzen. Ich denke öfter, dass es einfacher wäre, ich würde auf solche Klangkunst besser, weil weniger treffend, also den Kern erfassend, mit Wortkunst reagieren als mit einem diskursiv berichtenden Text, würde (nach-) dichten besser als ich es in zeitungskompatible Zeilen kassibern kann (in denen die Kassiber eben kaum jemand erkennt). Gedichte als Besprechungen sind allerdings derzeit im Zeitungs-Business nicht nur nicht erwünscht, sondern auch noch nie gewagt worden. Was daran liegt, dass der „normale“ (und das ist meiner!) Leser nicht poetisch denkt und den Modus der Poesie als Erkenntnis- und Beschreibungsform auch (noch?) nicht für sich entdeckt hat. Wo wir, wenn wir gute, innovative Journalisten sein wollen, solche mögliche und zudem wohl „zutreffendere“ Form noch nicht bei den Redaktionen loswerden, gilt es, Notlösungen, „Dazwischens“, in den Betrieb wie Viren einzuschleusen. Hierfür ein kleines Beispiel, das auch darin ein Beispiel ist, indem es an solchem Anspruch scheitert – und erst so einen halbwegs brauchbaren Beitrag für „DIE“ Zeitung liefert.

(Bis wir, die Kulturjournaille, dichten dürfen über Dichtungen wie die der Neuen Musik, müssen wir beharrlich – und in kleinen Schritten – unseren Lesern etwas anbieten, was ihren Horizont so erweitert wie das, was wir beschreiben, uns erweiterte. Nie darf man dem Leser nach dem Mund schreiben, aber sein Ohr soll man kitzeln – genauso wie das einen selbst, über das man schreibt. Und vermitteln, dass das Scheitern des Verstehens die Neugier weckt, nicht die Gleichgültigkeit …)

— snip! —

Koordinaten im Klangraum

Das Ensemble Sinkro zu Gast bei der Neuen Musik Eckernförde

Von Jörg Meyer

Eckernförde. Auch das fünfte und letzte Konzert der diesjährigen Reihe Neue Musik Eckernförde stand in der Nicolai-Kirche unter dem Motto „Spaces“. Das hiesige ensemble reflexion K hatte sich dazu Gäste aus Spanien eingeladen. Mit dem Ensemble Sinkro war Komponist (und Fagottist) Jorge García del Valle Méndez angereist, der das Thema „… so lose im Raume“ schon im Titel seines Stückes aufnimmt: „Far away from anywhere“ (weit entfernt von irgendwo) meine damit weniger einen Ort als einen Zustand, so erläuterte er. In einer „einsamen Entscheidung“ müsse der Komponist in einem noch nicht vorhandenen Raum gleichsam ein Koordinatennetz aufspannen – hier aus den Obertönen eines buddhistischen Gongs, welche Flöte und Klavier aufgefächert „re-synthetisieren“.

Auch Wellen verleihen dem Raum (und der Zeit) Koordinaten wie in Luigi Nonos „sofferte onde serene“. Das live gespielte Klavier (Alfonso Gómez) ist darin im Dialog mit seinem elektronischen, teilweise verfremdeten und in einem anderen Raum aufgenommenen Echo. Der Raum bildet sich erst, indem sich in ihm etwas ereignet, so heißt Ignacio Monterrubios Stück für Flöte (Roberto Casado) und Live-Elektronik (Koldo Sagastume) auch treffend „ex-nihilo“. Aus dem Nichts einen Zustand und damit erst den Raum zu schaffen, hatte ja schon del Valle Méndez umgetrieben, Monterrubio spitzt dies ebenso zu wie im zweiten Teil des Doppelkonzerts der Ensembles Sinkro und reflexion K Gerald Eckert mit „Nen VII“. Flöte (Beatrix Wagner), Cello und Elektronik (Eckert) legen in dem nach dem japanischen Wort für einen „zeitlosen Moment“ benannten Stück den Raum fest, indem sie die Grenzen zum Ortlosen abtasten, zwischen Nichts und Etwas, An- und Ausklingen.

Eine andere Möglichkeit, das zunächst Unbestimmte von Raum und Zeit mit Musik zu strukturieren, ist neben dem Echo und dem Balancieren auf dem Grat von und zur Stille der Pulsschlag des Taktes. Die schweizer Komponistin Katharina Rosenberger, deren zweite Fassung des dreisätzigen „éventer I – miroir – éventer II“ das ensemble reflexion K uraufführte, lässt einen pochenden Akkord in einer Schleife durch das ganze Stück laufen. Eine Art koordinierender Uhrschlag, aber auch Wegmarke, die den Raum absteckt. In der Wüste des Koordinatenlosen setzt solche auch der einsame Fagott-Rufer im „Calling“ des Japaners Dai Fujikura. Das Fagott klingt hier stets in rauen Multifonen, die dem Klangraum so etwas wie „Körnung“ und somit Textur verleihen. Auch dies eine Komposition, die wie das gesamte Doppelkonzert die einjährige Beschäftigung der Konzertreihe mit dem Thema „Spaces“ intuitiv auf den (Koordinaten-) Punkt bringt.

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Sapere aude!

One Response to The Art of Bespreching (dreizehn)

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