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Mannmannmann, Adobe – Weltkonzern!

Ich lese gerade:

»23. Oktober [!] 2013

Sehr geehrter/r Herr/Frau INGO DIERCK,

Adobe Systems Software Ireland Limited möchte Sie über einen Vorfall in Kenntnis setzen, der die Vertraulichkeit Ihrer Daten gefährden könnte.. Adobe hat kürzlich [!] herausgefunden, dass zwischen dem 11. und 17. September 2013 unbefugte Dritte [!] auf illegalem Weg Zugriff auf Bestelldaten von Kunden verschafft haben. Adobe ist die Sicherheit der persönlichen Daten seiner Kunden sehr wichtig. Wir bedauern sehr, [!] dass dieser Zwischenfall stattgefunden hat.

Unmittelbar nach Bekanntwerden haben wir begonnen, den Vorfall eingehend zu untersuchen. Obwohl die Ermittlungen noch andauern, glauben wir, dass unbefugte Dritte [!] unseren Systemen Kundennamen, Gültigkeitsdaten von Kreditkarten, verschlüsselte Kreditkartennummern und andere […] Informationen entnommen haben. […] Wir haben die zuständigen Behörden [!] sowie alle Banken informiert […] und unterstützen sie bei der Aufklärung des Vorfalls. […]«

Diesen Brief hat heute die Post bei mir eingeworfen. Im Auftrage von Adobe. Mal abgesehen davon, daß der Brief anscheinend einen Monat brauchte, um bei mir zu landen, hab ich gerade nicht genug Hände, um mir in angemessenem Unfang an den Kopf zu fassen.

[Luftholen.]

Also: – ich meine, hallo? Adobe? „Öhm, ach, warst Du da neulich an den Kundendaten, Kollege? – Nö? Komisch, ich auch nicht … Sollten vielleicht ‚unbekannte Dritte‘ …? –

Ja was denn noch? Spielende Kinder vielleicht? Hör mal Adobe, Du bist doch einer von den GANZ Großen, ja? So richtig groß, ja? Kunden in 189 Ländern oder so, Dankesbriefe aus aller Welt und so, ja? Millionen Kundendatensätze, ja?

Und dann – zwinker, zwinker – „unbekannte Dritte“, die Eure versammelten Kundendaten in aller Seelenruhe abgreifen und sich noch ne Woche lang Eure Server krallen und deren Rechenzeiten belegen, um „[…] einige Kartennummern zu entschlüsseln“?

Gestattet, daß ich mal eben lachen gehe.

[Lacht laut und grimmig.]

Also, mal ehrlich, wenn Ihr schon die NSA-Typen bei Euch reinlaßt und Angst habt, daß Snowden alles enthüllt, und deswegen diese nette Geschichte erfunden habt, daß Ihr erst NACHHER »die zuständigen Behörden […] bei der Aufklärung des Vorfalls« unterstützt, dann ist das doch ganz übel schlecht gelogen, hey, echt mal jetzt. Von DER weltweit führenden Kreativbutze erwarte ich mindestens mal »Ocean’s Fourteen« und nicht so ein Bürokratengeschwurbel.

Habt gefälligst die Klöten in der Buxe und steht dazu! »Yes, we can, and deswegen do we it auch, Baby. Hey, wir sind Amerikaner, und der Preis unserer Freiheit ist die totale Überwachung der anderen.«

Oder war alles ganz anders?

Wenn es nun wirklich spielende Kinder waren? Picklige, madenhäutige, unbesonnte Jugendliche mit karierten Flanellhemden und Kolasucht? Oder wie sieht der Hacker heutzutage gerade mal aus? Wenn diese Wesen einfach so in das Firmennetz Eures Superduper-WELTKONZERNS eindringen konnten und sich deswegen Millionen von Photoshop- und Illustratorbenutzern, von Indesign-Satzknechten und von Flash-Kreativlingen neue Kennwörter ausdenken müssen?

Dann ist es einfach provinziell, mich zwei Monate danach zu informieren, daß – huch!, ach Dottachdott! – »verdächtige oder unübliche Vorgänge« auf meinem Konto stattfinden könnten.

Adobe, Weltmarktführer, in aller Schärfe: Das ist eine unwillkommene Entwicklung.

»Adobe bedauert diese Unnannehmlichkeiten außerordentlich. Falls Sie Fragen oder Bedenken haben, kontaktieren Sie uns bitte unter www.adobe.com/go/customer_alert.«, schreibt Ihr. Nana, das werden wir fein lassen.

Lieber geben wir eine kleine Liste von Alternativen.

Illustrator zum Beispiel, kann auch durch Intaglio ersetzt werden. Indesign findet ein mögliches Gegenstück in iCalamus. Für Photoshop kann man genauso gut den guten, alten Graphicconverter hernehmen – oder gleich GIMP. Und so weiter.

Und dann: Kreditkarte abgeben, viel Bargeld mitnehmen, mit dem Fahrrad in die Stadt fahren und ein schönes Buch kaufen. Hinterläßt garantiert keine Daten, die für die NSA in irgendeiner Weise sichtbar wären.

Sapere aude!

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