frühlin[g/k] im advent

„weihnacht wird’s schon wieder und es kerzt an allen enden so widrig glimmend hell. was brenn’ ich? selbst aus den parzellen dringt’s durch gitter wie die engelhelle. schein des scheins, das mag wohl sein, allein, es blinkt zurecht aus vielen fenstern. dass solche sonne nicht aus meinen augen spricht, mag bloß an meinen augen liegen. und daran, dass die zauber dürrer werden mit jedem jahr, das über sie erneuten stab gebrochen. die zeit, wenn sie vergeht, hat glück in ihrem lauf stets weniger versprochen. und dennoch, schwestern, brüder, staunen wir die lichter an, den mistelzweig, so grün im tiefsten winter. als wär’ das leben eben dann ganz nah, wenn es entfernter schiene. denn dies ist der beschluss zum schluss des jahres, dass hoffnung möge sein, ein schein nur, ja … doch auch das licht, das uns verhieße schütt’res streichholz noch, das wir an eine kerze hielten. wie knospen sind wir, welkende, doch darin keim der nächsten blüte. der winter hat in seinem sterblich’ schein auch stets das lied des frühlings auf den lippen. die zu lockern im erkalten ist jetzt jenes, das wir sollen. und wenn wir es nur wollen …: es ist nichts, wie es bleibt.“

weihnachtsvers.indd

schrieb ich schon 2006 als adventsgruß, der sich eben insofern bewahrheitete, als layouterisch in der tat „der winter hat in seinem sterblich’ schein auch stets das lied des frühlings auf den lippen“. layoutete in kalter dezembernacht dies welkend für die kommende blüte:

Frühlingskonzert 2015

Sapere aude!