dierck & meyer mediengestaltung

Schwarz auf Weiß. Drucksachen und mehr. Online seit 1999.

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Wasser übern Wasserkopf

Ein neues mediales Phänomen geistert seit gut sechs Wochen durchs Netz und spült dahin fleißig (mittlerweile einige Millionen) Amateurfilme: die ALS Ice Bucket Challenge (IBC). Teilnehmer werden von vorher solche Annehmenden herausgefordert, sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf zu gießen, dies zu filmen und über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter zu verbreiten – oder aber an die ALSA, eine US-amerikanische Non-Profit-Hilfsorganisation im Kampf gegen die Krankheit ALS – Amyotrophe Lateralsklerose – 100 $/€ zu spenden.

Ein Hoax, ein Kettenbrief, eine Kinderei? Ja! Daher abzulehnen? Nicht unbedingt! Denn die sich virusartig im Netz verbreitende Aktion schafft den Hilfsorganisation für die seltene und daher – weil Pharma-Konzernen kaum Profit versprechende – wenig beforschte Krankheit Aufmerksamkeit und jüngst ein sprunghaft gewachsenes Spendenaufkommen. Man mag dazu als sich selbst begießender Pudel, der nicht an den Kern des Problems kommt, stehen, wie man will, der wassergroßkopfert wuchernde Netz-Irrsinn geht wenigstens nicht ganz ins Leere. Und er erschafft filmische Kreativität. Microsoft-Gründer Bill Gates, herausgefordert von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, präsentiert nicht nur eine (vermeintlich) eigens konstruierte Überschütt-Mechanik, er setzt sie filmisch auch professionell in Szene. Ebenso in manchen Videos der mittlerweile einige Millionen zählenden Wasserköpfe ist mehr Kreativität zu entdecken als etwa im Video des hier Schreibenden, der sich – wie so viele andere Halbherzige – im vor Wasserschäden sicheren Duschbad mit moderat kaltem Wasser übergoss (Eiswürfel waren gerade nicht im Eisfach).

Wer nicht an einer bislang unheilbaren Krankheit, an Unfreiheit, Ausbeutung, Krieg und anderen Krankheiten des Kapitalismus leidet, tut sich leicht, eine Herausforderung anzunehmen, die bestenfalls einen kühlen Kopf verschafft. An dem wäre es nun auszubrüten, wie man das Netzphänomen wirklich kreativ nutzen und politisch aktiv machen könnte – auch und gerade für noch manch anderes, das in der Welt im Argen liegt. Ein Anfang ist gemacht, aber würde man sich für alles, was in unserem ob IBC im Netz sichtbar werdenden Namen schief läuft, nicht nur die nötige Asche, sondern Eiswasser aufs Haupt schütten, trocknete man wohl nie.

Sapere aude!

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2013: Jetzt ist Schluß!

Stets erwartet man sie wieder: Diese kleine Fuge, diese Rille, leichtes Spiel zwischen den Jahren, ein kleines Wackeln oder Rütteln im Übergang, so ein fühlbarer Absatz, eine Grenze, eine Tür … irgendwas.

Und eigentlich passiert nichts dergleichen. Wären da nicht diese alljährlichen „Was-ändert-sich“-Artikel in den Zeitungen, die zuweilen die Was-passiert-dann-Maschine in unseren Köpfen rattern lassen, könnte es grad so weitergehen. Was uns daran erinnert, daß ab morgen wieder die heiß und innig geliebte Umsatzsteuer-Voranmeldung zu machen ist. Stichtag 10. Januar.

Naja.

Aber um Mitternacht lassen wir’s krachen. Und im nächsten Jahr wird sowieso alles anders. Pünktlich ab Mitternacht. Wenn wieder dieses kleine Ruckeln durch die Welt geht wie jedes Jahr.

Tun Sie’s uns gleich. Und passen Sie auf sich auf.

Ihre diercks & meyers

Sapere aude!

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Wieder ein liberales Mantra, das der Überprüfung nicht standhält …

Steuern runter, dann gehe die Wirtschaft rauf und letztlich hätten alle gut davon. Wie das funktionieren soll, ohne zunächst mal entweder den Staatshaushalt zu ruinieren oder eben dessen Eingriffsmöglichkeiten grundlegend zu beschneiden, das war mir schon immer schleierhaft.

Jetzt zeigt ein Artikel in der Zeitschrift „Telepolis“ uns das Ergebnis einer Studie, wonach es anscheinend gar keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen Steuersenkungen einerseits und Wirtschaftslage andererseits gibt.

Irgendwie beruhigend. Ganz privat meinen wir ja: Jedem ist sein Reichtum gegönnt. Eines ist aber klar: Die Gesellschaft funktioniert nur als Ganzes. Wer einen Keil zwischen sich und die Ärmeren treibt, indem er dem Staat als Regulationsinstanz die Mittel nimmt, mäßigend und vor allem befriedend einzugreifen, und dann um Hilfe schreit, wenn der Mob (kreisch!) ihm über den Elektrozaun steigt, der zeigt asoziales Verhalten.

Sapere aude!

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